Sonntag, 3. Mai 2009

Eine Pandemie der Angst und der Raffgier

Die Medien und die Schweinegrippe

Von James Winter

Mehr als eine Woche ist die so genannte "Schweinegrippe" 2009 alt. Falls es zu einer Pandemie kommt, dann zu einer der Angst und der Gier.

Die Nachrichtenmedien füllen ihre Seiten und ihre Nachrichtenflashs mit Berichten über Tote in Mexiko, in Texas (Gott bewahre!) und sogar Kanada. An der Ostküste der USA ist ein Kleinkind gestorben. Die Politiker debattieren über nationale Impfprogramme. Die Aktien der Firmen, die Mundschutzmasken herstellen, schießen in die Höhe. Canwest News hat diese Werbung unterstützt, indem es das Foto eines Mannes in den Mittelpunkt stellte, der einen medizinischen Mundschutz trug, als er am Flughafen von Vancouver auf seinen Bruder wartete, der von einer Reise aus Mexiko zurückkehrte (1). Die Aktienbörse in Toronto sei durch die "Angst vor der Schweinegrippe" "nach unten gefahren", wird berichtet. Flug- und Reisegesellschaften stoppen Reisen nach Mexiko. Die Flughäfen intensivieren ihr Screening, nachdem das Virus angeblich schon "13 Kanadier in vier verschiedenen Provinzen infiziert hat" (2).

Die Medien erzeugen pure Angst, die zu Hysterie führt - und weisen auf entsprechende Lösungen hin:

"Bis ein Impfstoff fertig sein wird, besteht die erste Verteidigungslinie in den nationalen Vorräten der Regierung an antiviralen Medikamenten - Tamiflu und Relenza... (von denen) einige Experten annehmen, sie könnten eine Ansteckung verhindern und die Verbreitung der Pandemie verlangsamen", so Andrew Mayeda von Canwest News Service (3).

2005 wurden japanische Kinder mit Tamiflu behandelt, nachdem es dort zu einem Ausbruch der Vogelgrippe gekommen war. Damals schrieb James Ridgeway in Village Voice: "... in der vergangenen Woche stand in japanischen Zeitungen, dass Kinder, die mit Tamiflu behandelt wurden, durchgedreht seien und versucht hätten, sich in selbstmörderischer Absicht aus dem Fenster zu stürzen. In einem vorsichtigen Statement der FDA ist von 12 Kindern die Rede, die gestorben seien und von Berichten über psychisch gestörte Reaktionen wie Halluzinationen und über Herz- und Lungenprobleme". (4)

In den Konzernmedien wiederholt sich Geschichte nicht sehr oft. Was vor kurzem geschah, ist im Tunnel des Vergessens verschwunden und keine "Nachricht" mehr wert. Nur Wenige werden sich noch an den Ausbruch der Schweinegrippe im Jahr 1976 erinnern - in der US-Militärbasis Fort Dix, in New Jersey. Damals ordnete Präsident Gerald Ford eine nationale Impfkampagne an, die rund $125 Millionen kostete. Kanada folgte umgehend dem Beispiel und bot kostenlose Impfungen an - obwohl in ganz Kanada kein einziger Fall bekannt war. In den USA wurden 40 der 220 Millionen Amerikaner geimpft, bevor das Programm gestoppt wurde. Nur eine Person starb an der Schweinegrippe, doch 500 erkrankten an Guillain-Barré, einer seltenen, lähmenden Erkrankung des Zentralnervensystems. Guillain-Barré gilt als mögliche Nebenwirkung der Impfung. Mehr als 30 Menschen starben. (5)

Was die aktuelle Schweinegrippe-Hysterie betrifft, so sollten wir uns nicht nur Fragen stellen, die die öffentliche Sicherheit betreffen, sondern uns auch fragen, wer von dieser künstlichen Krise profitieren wird. Ein Beispiel: 2005 besaß der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld Aktien (im Wert von mindestens $1,8 Millionen) einer Firma, die ein Patent auf Tamiflu besitzt. Früher war Rumsfeld selbst Manager einer Pharmafirma (Searle) (6). Die Medien nutzen ihre Macht über die öffentliche Meinung, um Hysterie zu erzeugen. Die Regierungen wiederum nutzen diese Hysterie, um den Kauf von Impfstoffen zu rechtfertigen. Diese Impfstoffe schaden oder töten sogar. Sie fügen der Öffentlichkeit Schaden zu, während Leute in der Regierung (wie Rumsfeld), in der Geschäftswelt und andere auf Kosten der Bevölkerung dicke Profite machen. Dies ist ein offensichtliches Beispiel für Angsterzeugung, Gier und Machtmissbrauch.

Big Pharma fährt enorme Profite ein, indem es Ärzte, Verordnungspläne, das Patentrecht und eingeschränkte oder gar exklusive Märkte nutzt und benutzt. Die Pharmaindustrie ist ein dreckiges Geschäft. Sie betrügt bei der Forschung, sie riskiert Menschenleben und die Gesundheit der Menschen. Sie benutzt Prominente und Ärzte, um für ihre Medikamente zu werben. Sie erfinden Krankheiten, die es nicht gibt, um sie zu "behandeln". Sie versucht, die Menschen ein Leben lang zu Patienten zu machen. So überarbeitete Big Pharma die (zulässigen) Richtlinien für den Grenzwert für Cholesterin. Auf diese Weise konnten sie eine "große Cholesterinepidemie" ausrufen und Profite durch den Verkauf des Cholesterinsenkers Statin erzielen, der schwere Nebenwirkungen hat. Damit noch nicht genug. Big Pharma "belehrt" Medizinstudenten und Ärzte, es besticht (beispielsweise durch kostenlose Impfungen, falls man ihre Medikamente verschreibt) und bietet lukrative Anreize. Sie kontrollieren die Veröffentlichung von Untersuchungsergebnissen - mit viel Geld und engmaschigen Verträgen. Sie versuchen, die Karriere und den Ruf von Ärzten und anderen Warnern (wie Nancy Olivieri), die sich für die öffentliche Sicherheit einsetzen, zu ruinieren.

Und die Korruption geht noch weiter. So spielt Big Pharma den "Ghostwriter" für bekannte Forscher. Diese setzen einfach ihren Namen unter einen Artikel - manchmal, ohne das Datenmaterial gelesen zu haben -, und werden dafür gut bezahlt. Natürlich werden diese offensichtlich "objektiv wissenschaftlichen" Artikel in akademischen Medizinjournalen veröffentlicht. Zweck ist es, die positiven Eigenschaften von Medikamente der Firma hochzuspielen und deren Risiken herunterzuspielen.

http://archives.cbc.ca/health/disease/clips/12711

(6) James Ridgeway: "Swine Flu: Bringing Home the Bacon", Mother Jones vom 27. April 2009.

Übersetzt von: Andrea Noll

Quelle: znet

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